(VERSAGENS)ANGST

Hier sitze ich nun. Ohne Abschluss, ohne besonders viel Geld, ohne große Erfolge. Ich bin Jenny, 22 Jahre alt. In der Schule war ich immer das „Durchschnittsmädchen“. Ich war weder besonders gut, noch besonders schlecht. Ein Mitläufer, der sich nicht traute seine eigene Meinung zu sagen. „Ja nicht auffallen“, so lautete die Devise. Und heute sitze ich hier und verspüre den Drang, gehört zu werden. Ich möchte nicht länger meiner Angst folgen, sondern endlich das Leben genießen. Ich möchte nicht ständig an dem zweifeln, was ich tue.

Drehen wir die Zeit einmal zurück. Solange ich denken kann war ich ein ruhiges Kind. Ich bereitete meinen Eltern nie besonders große Probleme. Auch wenn ich hin und wieder eine vier oder gar fünf in der Schule einkassierte, so hatte ich nie besonders große Schwierigkeiten. Mein einziger Stolperstein, den ich mir selbst immer wieder in den Weg legte, war meine Angst. Oh Angst, du ständiger Begleiter…

Meine größte Angst bestand darin, zurückgewiesen zu werden. Und deshalb ließ ich mich oft erst gar nicht auf andere Menschen ein. Mein Freundeskreis war überschaubar- und ist es auch heute noch.

Ich kann mich noch gut an jenen Tag erinnern, an welchem mich meine Sportlehrerin darum bat, eine Stoppuhr aus der anderen Turnhalle unserer Schule zu holen. Alleine. Obwohl ich bereits 12 oder 13 gewesen sein musste, war dies für mich undenkbar. In der anderen Turnhalle befand sich zu diesem Zeitpunkt eine andere, mir fremde Klasse. Alles in mir sträubte sich gegen die Aufforderung meiner Lehrerin. Und so versuchte ich mich nicht darauf einzulassen. Vergeblich. Diesen Moment sowie die Verbissenheit meiner Lehrerin werde ich nie vergessen. Klar, rückblickend würde ich womöglich anders reagieren. Aber an diesem einen Tag hatte ich so unheimlich viel Angst davor, dass ich einfach nicht anders konnte als in Tränen auszubrechen. Sicherlich bin ich nicht stolz darauf. Aber das ist nun einmal meine Vergangenheit.

Ich glaube der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen die eigene Angst ist es, die Vergangenheit Verganheit sein zu lassen. Was passiert ist, ist passiert. Dies lässt sich nicht ändern, egal wie sehr wir es uns manchmal auch wünschen. Aber so spielt nun einmal das Leben. Ich versuche mir das immer wieder zu verdeutlichen. Ich versuche mehr in der Gegenwart zu leben. Würden wir bedingungslos im Hier und Jetzt leben, gäbe es dann die Angst überhaupt noch? Ist die Angst ein Phänomen der Zukunft und Vergangenheit? Ich meine, wovor haben wir überhaupt Angst? Meist vor einer in der Zukunft liegenden Konsequenz, die häufig gar nicht so eintrifft, wie man es erwartet.

Der Titel des größten Angsthasen war mir somit lange Zeit gewiss. Auch wenn ich heute um Einiges dazu gelernt und in den ein oder anderen Situtationen an Selbstbewusstsein erhalten habe, so bin ich noch lange nicht da, wo ich sein will. Ich habe auch heute noch Angst davor, etwas falsch zu machen. Und gerade wenn etwas nicht in die Hose gehen soll, läuft gefühlt alles schief. In der Arbeit fällt es mir schwer die einfachsten Dinge zu merken. Ich habe Angst davor zu versagen und versage gerade WEGEN dieser Angst. Oftmals fühle ich mich so unendlich dumm dabei.

Aber hey, Erkenntnis ist der erste Schritt zum Erfolg. Wie gehst du mit Ängsten um?

xoxo Jenny

 

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